Die Sammlung
 

Die Geschichte der Puppenstube beginnt vor ca. 400 Jahren. Als kleine Kunstwerke angefertigt, zeugten sie vom Reichtum und Glanz des Lebens an den Adelshöfen, waren Prestige- und Repräsentationsobjekte.
Im 18. Jh. griff das Bürgertum diese Idee wieder auf und ließ ebenfalls verkleinerte Abbilder seiner Häuser und Villen bauen. Erst in der Biedermeierzeit, Anfang des 19. Jahrhunderts mutierte die Puppenstube vom reinen Repräsentations- und Anschauungsobjekt zum Spielzeug für Kinder. Um die Mädchen der Familien spielerisch auf ihre späteren Aufgaben als Mutter und Hausfrau vorzubereiten, wurden nun Wohnungen wohlhabender Bürgerfamilien detailgetreu - en miniature - nachgebildet. In diese Zeit fällt auch der Beginn der industriellen Produktion von Puppenstuben. Nun, in großer Zahl verfügbar, hielten sie als "Spielzeug" Einzug in alle sozialen Schichten der Bevölkerung. Man begann auch einzelne Räume, vor allem reich ausgestattete Puppenküchen, als Puppenstuben zu fertigen und der Kaufladen als adäquates Spielzeug für die Jungen kam auf. Puppenstuben dienten nun der kindlichen Früherziehung, der Belehrung. Anhand ihrer wurden spielerisch soziale Rollen trainiert.

Oft, von Generation zu Generation weitergegeben und der jeweiligen Zeit entsprechend verändert, können wir heute an ihnen historische und kulturelle Entwicklung sowie kulturgeschichtliche Veränderungen jener vergangenen bürgerlichen Welt nachvollziehen. Aber nicht nur die industriell hergestellten und perfekt wie detailreich eingerichteten Puppenstuben geben einen Einblick in das Leben der jeweiligen Zeit, bilden die Welt im Kleinen ab, gerade auch die liebevoll selbst hergestellten Puppenstuben- und häuser sind ein spannendes und einzigartiges kulturgeschichtliches Zeugnis.

Die Sammlung Rebettge-Schneider gliedert sich in Puppenstuben, Puppenküchen, Kaufläden, Bauernhöfe sowie seltene Spielzeugeinzelstücke. Sie zeigt anhand zahlreicher Exponate, die aus der Zeit zwischen 1890 und 1980 stammen, unterschiedlichste Facetten der Entwicklung der Puppenstube. Wir werden in eine Guckkastenwelt entführt, in der wir Gegenstände, zum Teil längst vergessene Gerätschaften wieder-entdecken, die es so in unserem heutigen Umfeld gar nicht mehr gibt, an die wir uns erinnern, von denen wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen und so Geschichte und Geschichten teilen und mitteilen können. Die Sammlung dokumentiert somit nicht nur kulturgeschichtliche Entwicklung, sondern ist auch als Anregung zum Gespräch zwischen den Generationen zu verstehen.